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Üblicherweise beginnt der Bericht über ein Turnfest mit einem Hurra –
wir haben wieder die Punktzahl vom letzten Fest übertroffen. Beim TVM
ist dies leider nicht der Fall, da keine Aktivriege mehr besteht. Doch
ein solches Fest braucht auch einen Hintergrund und viele Helfer, und da
waren die Madretscher dabei. Im Kampfgericht Gymnastik waren die
Gehirnakrobaten Käser Hans und Engelmann Fred die gefragten Männer und
der Computer spukte die Noten für die angespannten Leiter am
Wettkampfplatz direkt aus. An einem Turnfest sind aber nicht nur Noten,
Hundertstel oder Treffer wichtig, da melden sich auch ganz normale
Triebe wie Hunger oder Durst und dies bei solchem Prachtswetter sowieso
– und der Platzspeaker sagte es nicht bloss als Werbung, dass viel und
besonders Wasser getrunken werden soll. Dafür gab es vor dem
Gymnastikplatz einen Getränkestand vom DTV und TVM. Heidi Käser und
Heinz Stadler haben eine tolle Equipe aufgestellt, die Tranksame und
Grillsachen und natürlich Pommes frites an den Mann, die Frau und Kinder
verkauften. Es war eine fröhliche und gute Zusammenarbeit mit kleinen
Stosszeiten und ist ein Lichtblick für andere Anlässe.
Der TV Bözingen mit einem jungen, neuartig strukturierten OK und
vielen Helfern aus den Quartieren der Stadt Biel hat ein gut gelungenes
Turnfest organisiert und mit Wetterglück und optimalen Anlagen zu einer
bleibenden Erinnerung gebracht. Dafür sind wir allen zu Dank
verpflichtet und vergessen auch unseren Xaver als Präsident des TSB
nicht. Am Sonntag beim Empfang der Ehrengäste gab es "Kafi mit Gipfeli"
anstelle von Ehrenwein und dies zur Freude vieler Eingeladener.
Auch ein Turnfest und nicht bloss die Sendung vom Internat am
Fernsehen gibt immer Gelegenheit an frühere Zeiten zu denken. Als ich
vor fünfzig Jahren meine erste Gymnastik mitmachte war in militärischer
Formation anzutreten. Die ganze Sektion in weissem Tenü und schwarzen
Halbschuhen. Vor dem Fest gab es am Sonntagmorgen um 7 Uhr eine
Hauptprobe und eine Minute Verspätung hätte das Aus bedeutet. Ob nun
meine Sektion mit 9 Mann oder wie Madretsch dann zumal mit 100
aufmarschierten, die Stimme des Oberturners war entscheidend, ja auch am
Barren konnte er mit Eins, zwei uuuuuuuund drei die Stemme rückwärts
betonen. Ich werde nie vergessen wie wir bei den allgemeinen Übungen
aller teilnehmenden Sektionen der Schweiz beim Armschwingen mit sch…
stimmlich mitgemacht haben.
Heute ist vieles anders, vor allem bunter geworden. Die Tenü sind
farbiger und mit den mitturnenden Frauen anmutiger geworden, was aber ja
nicht heisst, dass eine Gymnastik weniger anspruchsvoll sei – im
Gegenteil. Die Vorführungen von meist aktuellen Musik-Hits dirigiert,
nur in Socken geturnt, dafür links rot und rechts weiss und mit
Handgeräten wie aufgeblasenen Ballons oder farbigen Tüchern bereichert.
Lustig sind die Einlagen mit can can oder sogar einem mithüpfendem
Straussenvogel. Auffallend ist vor allem dass die Vorstellungen mit
einem Anfangsbild und vielfach einer Schlussakrobatik eingebunden
werden. Bereichernd aufgefallen sind mir die vielen jungen
Kampfrichterinnen in allen Sparten. Ob nun an einem Jugendriegentag oder
bei den Aktiven ist das Spiel und insbesondere der Staffettenlauf der
direkte Wettkampf und sorgt auch beim Publikum für Spannung und
Emotionen. Die Geräte-Disziplinen werden auch bei schönem Wetter in der
Halle ausgetragen und waren für mich sehr eindrücklich was die
Kombinationen mit zwei und mehr Geräten und in entgegen gesetzten
Richtungen geturnt oder wirbelnd gesprungen. Für die Unterkunft sorgen
mehr und mehr eigene Zelte, Wohnwagen oder gar alte Car, wo wir früher
auf harten Schulhausböden versuchten ein paar wenige Stunden zu
schlafen.
Mit diesem gestern, heute kommt unwillkürlich die Frage nach dem
morgen oder den Turnfesten in fünfzig Jahren. Fast wehmütig aber
vernünftig genug weiss ich, dass ich dann nicht mehr berichten kann und
glaube auch, dass sich Turnfeste in einem solchen Rahmen und sicher
wieder neuen Trends und Grösse nicht mehr erhalten können.
Ruedi Eugster
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